Der höchste Fernsehturm der Welt ist eine Reise wert


Der Tokyo Sky Tree alleine ist schon eine Reise nach Tokio wert | Foto: © redswept - Fotolia.com

Ein Gebet für die Sicherheit der Bauarbeiter war der Startpunkt zum Bau des Tokyo Sky Tree am 14. Juli 2008. Mit einer Verspätung von zwei Monaten wegen Lieferschwierigkeiten von Baumaterialien durch das Erdbeben und den Tsunami 2011 wurde der Fernsehturm am 29. Februar 2012 fertiggestellt. Die feierliche Eröffnung ist für den 22. Mai 2012 vorgesehen.

Der „Baum im Himmel“ hat seinen Namen aus einer landesweit veranstalteten Wahl. Im Jahr 2008 wurden Vorschläge für den Namen des neuen Wahrzeichens der japanischen Hauptstadt gesammelt. Eine prominent besetzte Kommission wählte sechs mögliche Namen aus. In der anschließenden Wahl stimmten mehr als 110.000 Japaner für „Tokyo Sky Tree.“

Verwurzelt wie ein Baum

Das Fundament des neuen Fernsehturms in Tokyo ist einzigartig in der Welt. Es besteht aus erst senkrecht in den Boden getriebenen Pfählen, die sich dann am Ende in Stacheln aufspalten und sich auf diese Art wie die Wurzeln eines Baumes in den Boden krallen.

Auch die restliche Konstruktion des Turms ist ganz auf eine mögliche Erdbebengefahr zugeschnitten. Da in Japan noch keine der alten fünfstöckigen buddhistischen Pagoden des Landes einem Erdbeben zum Opfer gefallen ist, wurde beim Bau des Tokyo Sky Tree eine Verbindung zwischen altbewährter Tradition und neuester seismologischer Technologie eingegangen.

Es ist bis heute nicht genau bekannt, warum die fünfstöckigen Pagoden bisher den Erdbeben des Landes standgehalten haben. Eine Haupteigenschaft ihrer Struktur jedoch ist die Einteilung in einen Schaft und eine Hülle. Diese Verbindung wurde für den Bau des neuen Fernsehturms aufgenommen. Es gibt einen Stahlrahmen außen und einen Zylinder aus verstärktem Beton innen. Diese zwei Teile des Gebäudes sind unabhängig voneinander und können so bei einer seismologischen Störung über 40 % der Erdbebenenergie absorbieren, so dass der Tokyo Sky Tree nach neuesten Berechnungen einem Erdbeben der Stärke 7,9 standhalten würde.  Darüber hinaus hat der Turm im Jahr 2011 einem Erdbeben der Stärke 9,0 ohne jegliche Schäden stand gehalten. Zudem ist der innere Teil des Turms, der Zylinder,  mit einer Notfalltreppe ausgerüstet.

Der Turm verfügt über zwei Aussichtsplattformen auf 350 Meter und 450 Meter Höhe.

Farbgestaltung

Eigens für den Tokyo Sky Tree wurde eine Farbe entwickelt, “Skytree White”, die für Harmonie mit der umgebenden Landschaft, dem Namen und dem Design-Konzept des Turms steht.  Die Farbe stellt in den Augen der Erbauer eine Fusion aus traditioneller japanischer Schönheit und neo-futuristischem Design dar.

Grundlage von Skytree White ist das hellste traditionelle japanische Indigoblau, genannt „Aijiro“. Daher ist das Weiß des Turms unterlegt mit einem leichten bläulichen Schimmer, der an das traditionelle japanische Seladon-Porzellan erinnert und dafür sorgt, dass der Turm in einem zwar strahlenden aber nicht blendenden Weiß vor dem blauen Himmel Tokyos zu sehen ist.

Auch bei der Farbgestaltung ist von den Bauherren großer Wert auf eine Verbindung zwischen Moderne und Tradition, zwischen neuesten Farbtechniken und bewährter Farbsymbolik gelegt worden. Für Japaner haben Farben und vor allem ihre Intensität eine hohe Bedeutung. Daher wird die eigens kreierte Farbe als betont zurückhaltend und gleichzeitig hervorstechend betrachtet.

Lichtkonzept

Der Tokyo Sky Tree verfügt über zwei verschiedene Lichtkonzepte, mit denen die Beleuchtung eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft schaffen soll, um „dadurch die Herzen der Menschen zu erreichen,“ wie es die Bauherren formulieren.

Diese zwei Lichtkonzepte heißen „Iki“, Geist der Edo, und „Miyabi“,  Ästhetik, und werden abwechselnd geschaltet. Sie  verdeutlichen, dass ein jedes „Heute“ mit einem „Morgen“ verbunden ist.

Mit den Lichtern an der Spitze des Turms und auf beiden Seiten der beiden Aussichtsplattformen und der Beleuchtung entlang der Stahlkonstruktion des äußeren Mantels erinnert die Beleuchtung an den Ur-Berg der Japaner, den Fuji, und die Ur-Landschaft von Edo.

Das Konzept der Lichtdesigns basiert auf der japanischen Ästhetik, Geschichte und Einbeziehung der lokalen Innenstadt. Es berücksichtigt dabei neben japanischen Traditionen wiederum neueste Technologien, um die Schönheit der Farben in Form einer umweltfreundlichen Beleuchtung zum Ausdruck zu bringen.

Lage & Stadtteil

Der Tokyo Sky Tree liegt in Sumida, einem der 23 Bezirke der Präfektur Tokio, im Nordosten der japanischen Hauptstadt. Er befindet sich auf dem Areal eines Rangierbahnhofes und ist durch die Anbindung an mehrere Zuglinien sehr einfach zu erreichen. Diese Gegend wird gerne von Touristen besucht, denn ganz in der Nähe befindet sich der älteste buddhistische Tempel Tokios.

Die Höhe des Tokyo Sky Tree ist aus seiner Lage in der ehemals „Musashi“ genannten Region, die aus Tokio, Saitama und Kangawa bestand, hergeleitet. Der Fernsehturm ist exakt 634 Meter hoch und auf japanisch klingt „634“ wie „Mu-Sa-Shi“.

Um sich einfacher an den Turm zu erinnern wurde diese Höhe gewählt. Damit dürfte der Tokyo Sky Tree der einzige Fernsehturm weltweit sein, dessen Höhe von einem Namen und einer Landschaft abgeleitet wurde

Nutzung als Fernsehturm

Die eigentliche Bestimmung des Tokyo Sky Trees  ist die Übertragung des digitalen terrestrischen Fernsehens. Digitaler terrestrischer Rundfunk ist bereits seit Dezember 2003 in der Kanto-Region im Einsatz, aber aufgrund der vielen über 200 Meter hohen Gebäude in Tokio ist es notwendig geworden einen neuen Turm zu bauen, der höher als 600 Meter ist, um eine störungsfreie Rundfunk- und Fernsehübertragung zu gewährleisten.

Durch den neuen Fernsehturm kann das Volumen der digitalen terrestrischen Rundfunkübertragung verdoppelt werden. Der Turm ist auch Voraussetzung für die störungsfreie Übertragung des gerade in den letzten Jahren erheblich angestiegenen Mobilfunks.

Der Fernsehturm hat ein eigenes Maskottchen, „Sorakara“, das seit Oktober 2010 existiert und laut  offizieller Ankündigung gefunden wurde, als ein Mitarbeiter des Tokyo Sky Tree durch ein Teleskop zu den Sternen schaute.